Fliegender Wechsel im Volkswagen Inkubator in Dresden

Nach dem erfolgreichen Start des Startup-Inkubators sind in der zweiten Runde fünf neue Startups eingezogen. Die Bandbreite ihres Leistungsangebotes reicht von intelligenten Ladesäulen bis zum Parkassistenten für die Tiefgarage.

Die erste Klasse geht – und die zweite zieht ein. Auch diesmal zeichnen sich die fünf Startups, die seit den 1. März 2018 für sechs Monate in der Gläsernen Manufaktur arbeiten und forschen, durch geballte Innovationskraft aus. Und die entsteht vor allem durch eines: Neugier. Ein gutes Beispiel dafür ist die Dresdner Firma Novum. Sie beschäftigt sich mit der Lebensdauer von Batterien.

Plötzlich ist der Akku leer

„Obwohl jeder Batterien benutzt, wissen wir über die Lebensdauer noch nicht so viel. Allerdings kennen die meisten die Situation, wenn auf dem Smartphone nur noch 20 Prozent Akkulaufzeit angezeigt wird, aber das Gerät wenig später einfach ausgeht. Diese Beobachtung hat unser Interesse geweckt, uns näher mit dem Thema zu beschäftigen“, sagt Geschäftsführerin Mandy Schipke. Weil zudem der genaue Verschleißpunkt von Batterien unbekannt sei, müsse man diese heute größer bauen, als es eigentlich nötig wäre, erklärt die Gründerin. Welches Projekt Novum konkret im Inkubator angehen will, sei noch nicht entschieden. „Wir befinden uns in Gesprächen, aber ich gehe davon aus, dass wir daran arbeiten werden, Ladesäulen mit unserem Batterielabor auszustatten.“ Autofahrer könnten so schon während des Ladens ihre Batterie checken. „Beim Auto ist das besonders wichtig, weil ja niemand mitten im Wald liegen bleiben will“, sagt Schipke, deren Firma vier Jahre alt ist und durch die Teilnahme am Inkubator-Programm weiter durchstarten möchte.

Algorithmus macht Ladesäulen um die Hälfte preiswerter

Im Gegensatz zu EcoG arbeitet das Startup ChargeX daran, die Ladesäulen günstiger zu machen, indem sie besser genutzt werden. „Bisher muss man die Autos an einer Ladesäule umparken, wenn mehrere Autos geladen werden sollen. Bei uns können sie gleichzeitig angeschlossen werden“, sagt Tobias Wagner, einer der Gründer. Gleichzeitig geladen werden sie aber trotzdem nicht. „Dann würden wahrscheinlich die Sicherungen rausfliegen. Stattdessen gibt es bei uns einen selbst lernenden Algorithmus, der die Autos je nach Bedarf sowie nach den täglichen Fahrtstrecken der Nutzer lädt. 50 Prozent der Gesamtkosten für eine Ladesäule lassen sich so einsparen.“ Er erhoffe sich eine intensive Kooperation mit Volkswagen und möchte im Inkubator unter anderem den Algorithmus optimieren, verweist der Gründer auf seine Zielsetzung.

Auto fährt von allein in die Tiefgarage

Um das Auto auf den Stellplatz in der Tiefgarage zu bekommen, muss man es zurzeit noch hinunterfahren. Geht es jedoch nach Alex Domahidi vom Züricher Startup Embotech, dann sind diese Zeiten bald vorbei. „Wir werden im Inkubator an unserem Parkassistenten arbeiten, der es erlaubt, vor der Tiefgarage einfach auszusteigen, während das Auto vollkommen autonom auf den jeweiligen Parkplatz fährt“, sagt Domahidi. Grundlage dafür seien komplexe physikalische Berechnungen in Echtzeit. „Wir möchten in den nächsten sechs Monaten eine Demoversion erarbeiten und freuen uns über die guten Bedingungen in der Manufaktur.“ Es sei zudem schön, dass die Stadt Dresden eine Wohnung organisiert habe. „Das macht den Umzug von Zürich hierher leichter“, betont der Gründer. Bei der Zusammenarbeit mit Volkswagen hat Alex Domahidi jedoch nicht nur Dresden im Kopf, sondern auch den Hauptsitz in Wolfsburg. „Auf dem großen Gelände könnte unsere Anwendung dabei helfen, dass die Autos selbstständig an die richtige Stelle fahren“, sagt er.

Von so viel Ideenreichtum war auch der Standortleiter der Gläsernen Manufaktur, Lars Dittert, ganz angetan. Den Startups gab er einen Rat mit auf den Weg: „Nutzt diese Chance und seid immer offen und ehrlich zu uns. Auch wir lernen jeden Tag hinzu.“

Anwesend war zudem der Chef der Dresdner Wirtschaftsförderung, Dr. Robert Franke. Er sagte: „Herzlich willkommen in Dresden. Wir freuen uns, dass ihr hier seid und wir der Standort sind, an dem der Wandel stattfindet.“

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