Eine Mitfahrzentrale für Schulkinder

Viele Eltern fahren ihre Kinder von Termin zu Termin – oft mehrmals am Tag. Weil das schnell in Stress ausarten kann, will das französische Startup Zouzoucar sie jetzt entlasten. Im Volkswagen Inkubator, dem Gründer-Programm der Gläsernen Manufaktur in Dresden, hat die Firma eine App entwickelt, mit der sich Eltern die Fahrten ihrer Kinder teilen können.

Jeden Tag das gleiche Bild. Vor Schulen und Sportvereinen stauen sich besonders zu den Stoßzeiten die sogenannten Elterntaxis. Väter und Mütter bringen ihre Sprösslinge persönlich vorbei und holen sie später wieder ab. Weil dabei viele in ihrem Auto noch ein oder zwei Plätze frei haben und obendrein eine ähnliche Strecke fahren, brachte das den französischen Gründer Fabien Compère auf eine Idee. „Ich habe mich gefragt, warum man diese Eltern nicht zusammenbringen könnte, damit sie sich in die Fahrten hineinteilen“, sagt der 46-jährige Vater von drei Kindern. Konkret schwebte ihm eine intelligente Lösung per Smartphone-App vor, die das ewige Hin- und Herschreiben per Mail oder Messenger vermeidet.

Eltern entscheiden selbst, wen sie in ihr Netzwerk lassen

Bei der Idee ist es nicht geblieben. Stattdessen setzte Fabien Compère sein Vorhaben um. Unter dem Namen Zouzoucar entwickelte er eine App, die die Eltern besser vernetzt und sie auf parallele Fahrten von anderen aufmerksam macht. Nachdem er in Frankreich schon einige Vorarbeit geleistet hatte, bekam das Projekt ab September im Volkswagen Inkubator in Dresden noch den letzten Schliff. „In Frankreich sind wir bereits am Markt, jetzt starten wir in Deutschland mit einer Testphase“, sagt Fabien Compère. Vorstellen kann man sich die App von Zouzoucar wie eine Mitfahrzentrale. Eltern schreiben dort hinein, wann sie zum Beispiel mit ihrem Kind zum Geigen- oder Ballettunterricht fahren und bieten eine Mitfahrgelegenheit an. Allerdings nicht für jeden. „Ein wichtiger Punkt ist bei unserer App, dass die Eltern selbst entscheiden, mit wem sie sich zusammenschließen und wem sie ihre Kinder anvertrauen.“ Wie bei Facebook würden bei Bedarf Freundschaftsanfragen verschickt und auf diese Weise kleine Mikronetzwerke von fünf bis sechs Leuten entstehen, sagt Compère, dessen App in Frankreich bereits 500 Eltern nutzen.

Notfallknopf für vielbeschäftigte Eltern

Jeder, der sich selbst ein Bild machen will, kann die App kostenfrei herunterladen. Daran soll sich auch nichts ändern. Lediglich einige kostenpflichtige Premiumfunktionen werden später noch hinzukommen. „Ich kann mir zum Beispiel eine Art Notfallknopf vorstellen, den Eltern für einige  Euro hinzubuchen können. Diesen drückt man, wenn man seine Kinder nicht abholen kann, weil man zum Beispiel im Stau steht oder von einem Meeting nicht wegkommt“, erklärt Fabien Compère. Die Mitfahr-App ist momentan neben Deutsch und Französisch auch auf Englisch verfügbar. Zouzoucar ist derzeit eines von fünf Startups, das seit September in der dritten Runde im „Future Mobility Incubator“ der Gläsernen Manufaktur arbeitet.

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