VW Inkubator Alumni-Startup "Carl und Carla" investiert sieben Millionen Euro

Die Teilnahme am Inkubator-Programm der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen brachte für das Dresdner Unternehmen weiteren Aufwind. Jetzt verdoppelt es seine Fahrzeugflotte in ganz Deutschland.

Das Dresdner Startup „Carl und Carla“ wechselt auf die Überholspur. Wie das Unternehmen jetzt ankündigte, wird es in diesem Jahr sieben Millionen Euro in die Hand nehmen, um die Fahrzeugflotte massiv auszubauen. Zu den bestehenden 230 Fahrzeugen kommen 200 hinzu. Außerdem expandiert der Carsharing-Anbieter, der bereits in elf deutschen Städten aktiv ist, nach Köln, Düsseldorf, Karlsruhe und Frankfurt am Main - und schafft fünf neue Arbeitsplätze in Dresden. Mittelfristig hat das Unternehmen alle Ballungsräume in Deutschland mit mehr als 200.000 Einwohner im Visier – immerhin rund 40 Städte.

Geschäftsmodell im Inkubator weiter entwickelt

Dass es einmal so weit kommen würde, war nicht vorgezeichnet. Denn obwohl „Carl und Carla“ bereits seit 2013 existiert, nahm die Firma noch einmal Fahrt auf, als sie 2017 in die erste Klasse des Volkswagen-Inkubators in der Gläsernen Manufaktur in Dresden aufgenommen wurde. „Das hat uns wirklich vorangebracht. Vorher waren wir nur ein kleines Startup, aber durch die Zusammenarbeit mit Volkswagen haben uns mehr und mehr Kunden vertraut“, sagt Mitgründer Richard Vetter (31). Zudem habe man das heutige Geschäftsmodell im Inkubator weiter entwickelt. 

„Unsere Idee des Corporate Carsharings, also dass ein Fahrzeug vermietet wird, während es vermietet ist, hatten wir schon im Kopf. Trotzdem haben wir die 200 Tage im Inkubator benötigt, um das Modell zu entwickeln. Aber auch zu verstehen, wo und wann es nicht funktioniert.“ Als wertvoll habe sich dabei die Zusammenarbeit mit der Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen erwiesen. Im Rahmen eines Projektes habe man unter realen Bedingungen testen können, wie man die verschiedenen Bedürfnisse der Geschäfts- und Privatkunden aufeinander abstimmen kann, sagt Vetter. 

Trotz dieser Einschränkungen gibt es genügend Gewerbetreibende, die die Dienste von „Carl und Carla“ in Anspruch nehmen. „Grundsätzlich haben wir 65 Prozent Endkunden und 35 Prozent Gewerbekunden. Dennoch zeigt sich, je länger wir in einer Stadt sind, desto mehr Gewerbekunden kommen hinzu“, sagt Richard Vetter, der gemeinsam mit seinen drei Mitgründern insbesondere Kastenwagen und Neunsitzer vermietet. Weil das junge Unternehmen bei der Zusammenarbeit mit Volkswagen gute Erfahrungen gemacht hat, möchte es sich auch an der Elektro-Offensive des Konzerns beteiligen. Im Sommer dieses Jahres nimmt es deshalb die ersten beiden Elektro-Nutzfahrzeuge in Betrieb. 

Elektrofahrzeuge gehen im Sommer in Betrieb

„Wir wollen die Transporter gern bei uns integrieren. Ganz einfach ist es jedoch nicht, weil es sich um größere Lasten handelt als im Pkw-Bereich.“ Es sei aber denkbar, dass man per Algorithmus herausfinde, für welche Kunden, welches Fahrzeug attraktiv wäre, so dass beispielsweise eine Teilstrecke mit einem Verbrenner und eine andere mit einem Elektrofahrzeug zurückgelegt werde, so Vetter. Vorstellen kann sich das auch Marco Weiß, der den Bereich New Mobility & Innovations in der Gläsernen Manufaktur leitet: „Carsharing war für uns als Volkswagen-Konzern ursprünglich nicht unser Hoheitsgebiet. Daher hat uns die Zusammenarbeit mit ‚Carl und Carla‘ vorangebracht. Diesen Kurs wollen wir nun bei der E-Mobilität fortsetzen“, sagt Weiß.

Um auch künftig von den Ideen von jungen, beweglichen Startups zu profitieren, treibt Volkswagen sein Inkubator-Programm weiter voran. Vor Kurzem endete die Bewerbungsphase für die vierte Klasse. „Es haben sich 114 Gründer und Startups aus 33 Ländern beworben“, verkündete Weiß.

Jetzt teilen