Ladelösungen für die Mobilitätswende

Verlässlich, allgegenwärtig und benutzerfreundlich soll sie sein. Für die Elektromobilität ist die fehlende Ladeinfrastruktur eine der größten Hürden auf dem Weg zum Massenmarkt. Das soll sich nun ändern. 

Eine ID. BUZZ Studie lädt an einer IONITY-Schnellladesäule.

An jeder Ladestation steckt ein Elektroauto. Nach etwa einer Stunde sind sie vollgeladen. Doch die Autos bleiben stehen und die Ladeplätze unnötig besetzt. Ziemlich ineffizient, finden die ChargeX-Gründer Tobias Wagner, Johannes Engeln und Michael Masnitza.

Warum nicht eine Ladestation zeitgleich für mehrere Fahrzeuge nutzen? Also entwickelte das Startup aus München ein Produkt, das die Hauptstation per Plug & Play um verschiedene weitere Ladepunkte erweitert. So können mehrere Elektroautos eine Ladestation nutzen – ohne umzuparken. Und weil die Gläserne Manufaktur Startups mit zukunftsträchtigen Mobilitätskonzepten fördert, durften die Jungunternehmer ihre Innovation auch gleich im Volkswagen Future Mobility Incubator in Dresden zur Marktreife entwickeln.

Die modulare Mehrfachsteckdose reduziert Kosten und Installationsaufwand für jeden Ladepunkt. „Wir ermöglichen Betreibern von Tiefgaragen wie Arbeitnehmerstellplätzen einen bedarfsgerechten und vor allem kostengünstigen Ausbau der Ladeinfrastruktur“, erklärt Michael Masnitza das Geschäftsmodell von ChargeX. Dass mehrere Autos gleichzeitig angeschlossen sind, heißt allerdings nicht, dass sie auch gleichzeitig laden. Dann würden im schlimmsten Fall die Sicherungen rausfliegen, schildert Wagner. „Stattdessen gibt es bei uns einen selbstlernenden Algorithmus, der die Autos je nach Bedarf sowie nach den täglichen Fahrtstrecken der Nutzer lädt.“

Die ChargeX-Gründer Tobias Wagner, Johannes Engeln und Michael Masnitza (v.l.n.r.) haben eine modulare Mehrfachsteckdose für Ladestationen entwickelt.

 

e-Golf: Stromverbrauch in kWh/100 km: 12,7 (kombiniert); CO2-Emissionen in g/km: 0 (kombiniert); Effizienzklasse: A+

Den Algorithmus für das Lastenmanagement hat das Team während seines Aufenthaltes im Inkubator in der Gläsernen Manufaktur in Dresden verbessert. Mithilfe der Ladelösung können Betreiber von Flottenparkplätzen und Tiefgaragen auf ihren Stellplätzen eine 22-kW-Wallbox modular um bis zu sechs weitere Ladepunkte erweitern. Dies sei ein essenzieller Bestandteil, um den Fahrzeugsektor unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu machen, so Wagner. „Die Elektromobilität schafft es gerade in urbanen Räumen, die Emissionen zu senken.“

Mit We Charge lassen sich per App Stationen finden und Zahlungen abwickeln.

Die Verfügbarkeit von Ladesäulen spielt auch auf der Volkswagen Mobilitätsplattform WE eine wichtige Rolle. Kunden können hier über den Service We Charge Stationen finden und Zahlungen abwickeln. Bis 2020 sollen alle Volkswagen Händler mit Ladestationen ausgerüstet werden, die Kunden und der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Bereits heute haben die Mitarbeiter an den Standorten von Volkswagen Zugang zu 1.000 Ladestationen. Diese Zahl soll sich innerhalb der kommenden zwei Jahre verfünffachen. 

Für ihre Arbeit haben die Gründer von ChargeX bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Neben dem mit 7.500 Euro dotierten Clusterpreis Automotive und dem Gesamtpreis des IQ Innovationspreis Mitteldeutschland in Höhe von 15.000 Euro erhielten sie 2018 auch den Sonderpreis beim Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen. Der thematisch wechselnde Preis des Ideenwettbewerbs vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) ist mit 10.000 dotiert. Das Geld können die jungen Unternehmer gut gebrauchen. „Um unsere Pläne umzusetzen, müssen wir expandieren und planen daher, weitere Ingenieure und Software-Entwickler einzustellen“, sagt Wagner.

Jetzt teilen