Startups - Zweite Klasse



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Nachwuchs im Startup-Inkubator

Fünf neue Startups sind in den Inkubator eingezogen. Die Bandbreite ihres Leistungsangebotes reicht von intelligenten Ladesäulen bis zum Parkassistenten für die Tiefgarage.

Fliegender Wechsel im VW-Inkubator in Dresden. Die erste Klasse geht und die zweite zieht ein. Auch diesmal zeichnen sich die fünf Startups, die seit dem 1. März für 200 Tage in der Gläsernen Manufaktur arbeiten und forschen, durch eine geballte Innovationskraft aus. Und die entsteht vor allem durch eines: Neugier. Ein gutes Beispiel dafür ist die Dresdner Firma Novum. Sie beschäftigt sich mit der Lebensdauer von Batterien.

 

Plötzlich ist der Akku leer

"Obwohl jeder Batterien benutzt, wissen wir über die Lebensdauer noch nicht so viel. Allerdings kennen die meisten die Situation, wenn auf dem Smartphone nur noch 20 Prozent Akkulaufzeit angezeigt wird, aber das Gerät wenig später einfach ausgeht. Diese Beobachtung hat unser Interesse geweckt, uns näher mit dem Thema zu beschäftigen“, sagt Geschäftsführerin Mandy Schipke. Weil zudem der genaue Verschleißpunkt von Batterien unbekannt sei, müsse man diese heute größer bauen als es eigentlich nötig wäre, erklärt die Gründerin. Welches Projekt Novum konkret im Inkubator angehen will, sei noch nicht entschieden. „Wir befinden uns in Gesprächen, aber ich gehe davon aus, dass wir daran arbeiten werden, Ladesäulen mit unserem Batterielabor auszustatten.“ Autofahrer könnten so schon während des Ladens ihre Batterie checken. „Beim Auto ist das besonders wichtig, weil ja niemand mitten im Wald liegenbleiben will“, sagt Schipke, deren Firma vier Jahre alt ist und durch die Teilnahme am Inkubator-Programm weiter durchstarten möchte.

 

Der Ladevorgang als Einkaufserlebnis

Mit dem Aufladen des Elektroautos beschäftigt sich auch Jörg Heuer (46) von EcoG. Allerdings nähert sich das Startup dem Thema aus einem anderen Blickwinkel. Er sagt: „Wir kümmern uns um die Monetarisierung der Ladeinfrastruktur.“ Das geschehe bisher noch zu wenig. So gebe es zwar unter anderem bei Aldi Süd auf den Parkplätzen Ladesäulen, aber es existiere keine Verknüpfung mit dem Einkauf. „Das möchten wir ändern“, sagt Heuer. Per Smartphone werde dabei registriert, dass ein Nutzer gerade sein Auto auflädt. Kaufe er nun im nächsten Laden ein oder hole sich einen Kaffee, bekomme er einen Rabatt und außerdem den Strom umsonst. Im Inkubator möchte EcoG mit dem Automotive-Bereich von VW und mit regionalen Läden zusammenarbeiten. Beeindruckt zeigte sich Jörg Heuer über das, was die erste Klasse bereits erreicht hat. „Es ist spannend, welches Netzwerk hier entstanden ist. Die Firma LoyalGo ist für uns ein super Beispiel, was alles für Anwendungen auf Ladestationen laufen können“, sagt Heuer.

 

Algorithmus macht Ladesäulen um die Hälfte preiswerter

Im Gegensatz zu EcoG arbeitet das Startup ChargeX daran, die Ladesäulen selbst günstiger zu machen, indem sie besser genutzt werden. „Bisher muss man die Autos an einer Ladesäule umparken, wenn mehrere Autos geladen werden sollen. Bei uns können sie gleichzeitig angeschlossen werden“, sagt einer der Gründer, Tobias Wagner (24). Gleichzeitig geladen werden sie aber trotzdem nicht. „Dann würden wahrscheinlich die Sicherungen rausfliegen. Stattdessen gibt es bei uns einen selbstlernenden Alghorithmus, der die Autos je nach Bedarf sowie den täglichen Fahrtstrecken der Nutzer lädt. 50 Prozent der Gesamtkosten für eine Ladesäule lassen sich so einsparen.“ Er erhoffe sich eine intensive Kooperation mit Volkswagen und möchte im Inkubator unter anderem den Algorithmus optimieren, verweist der Gründer auf seine Zielstellung.

 

Auto fährt von allein in die Tiefgarage

Um das Auto auf den Stellplatz in der Tiefgarage zu bekommen, muss man es aktuell noch hinunterfahren. Geht es jedoch nach Alex Domahidi (35) vom Züricher Startup Embotech, dann sind diese Zeiten bald vorbei. „Wir werden im Inkubator an unserem Parkassistenten arbeiten, der es erlaubt, vor der Tiefgarage einfach auszusteigen, während das Auto vollkommen autonomen auf den jeweiligen Parkplatz fährt“, sagt Domahidi. Grundlage dafür seien komplexe physikalische Berechnungen in Echtzeit. „Wir möchten in den nächsten sechs Monaten eine Demoversion erarbeiten und freuen uns über die guten Bedingungen in der Manufaktur.“ Es sei zudem schön, dass die Stadt Dresden eine Wohnung organisiert habe. „Das macht den Umzug von Zürich hierher leichter“, betont der Gründer. Bei der Zusammenarbeit mit VW hat Alex Domahidi jedoch nicht nur Dresden im Kopf, sondern auch an den Hauptsitz in Wolfsburg. „Auf dem großen Gelände könnte unsere Anwendung dabei helfen, dass die Autos selbständig an die richtige Stelle fahren“, sagt er.

 

Sensoren scannen Parkplätze und die Umgebung

Um bei diesem Vorgang den Überblick zu haben, welche Parkplätze gerade frei sind, könnte auch die Idee von Moritz Mierisch (24) und seinen Mitstreitern von Sonah gute Dienste leisten. „Wir befestigen an Hauswänden und Laternenmasten Sensoren, die darüber Auskunft geben, wo ein Parkplatz frei ist oder auch wo eine Laterne ausgeschaltet werden kann, weil sich niemand darunter befindet.“ Da die Daten in Echtzeit ausgewertet werden und es keine Gesichtserkennung gebe, sei auch der Datenschutz kein Problem. In Dresden erhoffe man sich unter anderem eine Zusammenarbeit mit dem 5G-Lab. „Die schnelle mobile Datenübertragung ist für unser Produkt essentiell“, sagt Mierisch, der mit seinen Daten außerdem autonom fahrenden Autos helfen kann, damit diese auf der Straße quasi um die Ecke gucken können.

 

Von so viel Ideenreichtum war auch der der Standortleiter der Gläsernen Manufaktur, Lars Dittert, ganz angetan. Den Startups gab er einen Rat mit auf dem Weg: „Nutzt diese Chance und seid immer offen und ehrlich zu uns. Auch wir lernen jeden Tag hinzu.“

Anwesend war zudem der Chef der Dresdner Wirtschaftsförderung, Robert Franke. Er sagte: „Herzlich willkommen in Dresden. Wir freuen uns, dass ihr hier seid und wir der Standort sind, wo der Wandel stattfindet.“


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