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Irgendwie unkompliziert!

Chefdirigent Christian Thielemann steigt auf Einladung der Gläsernen Manufaktur zum ersten Mal in ein Elektroauto und ist positiv überrascht.

Eine Reportage.

 

Wir haben Glück: Nach einer grauen und vor allem kalten Oktoberwoche reißt die Wolkendecke an diesem Montagvormittag endlich auf und der abziehende Hochnebel hinterlässt einen strahlend blauen Himmel. Die Freude über das wunderschöne Wetter teilt auch Christian Thielemann, der sich bei seinem Eintreffen selbst als „gut gelaunt“ bezeichnet. Ob er Erfahrungen in Sachen Elektromobilität habe? „Überhaupt keine! Ich bin sehr gespannt auf diese erste Fahrt in einem Elektroauto.“  

Er ist mitten in den Aufführungen von Wagners Rheingold an der Semperoper, die Premiere am zurückliegenden Samstag war ein riesiger Erfolg. Und das trotz einer kleinen technischen Panne, die das Orchester wenige Minuten vor dem Ende kurzzeitig buchstäblich im Dunkeln sitzen ließ. Was die Musiker im Übrigen nicht daran hinderte, unbeirrt weiter zu spielen, wofür sie am Ende stürmischen Beifall ernteten.  

Ein Stromausfall? Das ist Thielemanns größte Sorge, wenn es um einen möglichen Umstieg auf Elektromobilität geht. „Was ist, wenn der Strom plötzlich alle ist und ich auf der Autobahn bei Weißenfeld stehen bleibe?“ Dass das Netz der e-Tankstellen deutlich ausgebaut werden muss, ist eine Herausforderung. Dass es aber heute und vor allem in naher Zukunft schon Online-Systeme gibt, die dem Fahrer sagen, wo er die nächste und vor allem freie Ladestelle anfahren kann, stimmt ihn zuversichtlich.  „Da ist natürlich eine grundlegende Umgewöhnung erforderlich. Aber schön ist: Das Auto riecht nicht, nur nach Leder.“  

Bei der Einweisung in die Besonderheiten des elektrischen Fahren wie der vierstufigen Rekuperation, bei der man durch vorausschauendes Fahren und Bremsen nicht nur Strom sparen, sondern auch zurückgewinnen kann, wird er ungeduldig. „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie“, drängt er mephistophelisch zum Start. Nicht nur die ungeahnte Beschleunigung überrascht ihn: Es fährt sich „gut, ruhig, sanft, irgendwie unkompliziert. Bei den Erläuterungen vorher hatte ich das Gefühl, es wird kritisch, wo man da überall zurückschalten muss. Ich bin positiv überrascht, dass es so leicht geht. Und vor allem, dass es so geräuschlos ist, man hat eigentlich das Gefühl, man fährt gar nicht.“  

Das Wegfallen aller Motorengeräusche hat für den bekennenden Porsche-Fahrer eine besondere Faszination: „Als Porsche-Fahrer kann man die Stille nicht allzu sehr genießen, da genießt man anderes. Aber zum Beispiel im Phaeton, da genieße ich das. Vor allem, wenn ich da so eine schöne Soundanlage habe.“  

Mittlerweile haben wir seine derzeitige Wirkungsstätte – die Semperoper – passiert, neben der sich elbseitig bis zum Bombenangriff auf Dresden 1945 das ehemalige Hotel Bellevue befand. „Wussten Sie, dass Richard Wagner und Richard Strauß hier während ihrer Dresden-Aufenthalte gewohnt haben?“ Am Ende der Augustusbrücke müssen wir einer Pferdekutsche die Vorfahrt geben und seine Gedanken gehen weiter in die Vergangenheit „Jetzt habe ich ja entdeckt durch meine Familiennachforschungen, dass meine Vorfahren von 1830 aus Riesa und Dresden sind, Thielemänner, ganz verrückt! Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass man sich hier einfach so gut fühlt. Und diese Tradition ist mir einfach bewusst. Tradition ist nicht da, die muss man leben, wieder erwecken, ohne das Alte wäre das Neue nicht da. Das ist eine ganz lustige Kombination mit den VW Geschichten hier und dem Elektroauto und Dresden, da denkt man das schließt sich aus. Aber genau das ist die Mischung. In der Technik etwas weitermachen und trotzdem fußen auf dieser Tradition.“  

Zurück an der Gläsernen Manufaktur fragen wir ihn nach seinem persönlichen Résumé: „Meine Erwartungen sind eigentlich übererfüllt. Ich bin hier ganz vorurteilsfrei hergekommen, und hab gedacht, willste mal sehen. Ich meine, der Praxistest bringt es ja. Man denkt, da ist kein Unterschied, aber doch: Ein Auto für Musiker ist es in jeden Fall, weil es das Gehör erheblich schont.“  

Auch der kurze Rundgang  durch die Erlebniswelt der Gläsernen Manufaktur, die sich nicht nur der Elektromobilität, sondern auch Themen wie dem vernetzten Fahren und Assistenzsystemen widmet, die das Auto der Zukunft zu einem echten Freund und Begleiter machen, hat den eher konservativen Dirigenten fasziniert und vor allem neugierig gemacht. Nur in der Antwort auf die Frage, ob er sich ein solches Auto für den Alltag vorstellen kann, schwingt noch ein nicht zu überhörender Zweifel mit: „ Wenn man die Ladestationen hat. Für den Stadtverkehr eigentlich ideal. Man fährt ja immer nur ganz kurze Strecken.“  

Aber wozu diese Bedenken, lieber Herr Thielemann, wo Ihnen das Leben, die Musik und sogar die Bühnentechnik so wohlgesonnen sind? Für die Leser, die den kurzen Stromausfall während der Rheingold-Premiere am 15. Oktober nicht miterlebt haben, sei an dieser Stelle angemerkt: Wenngleich der gesamte Orchestergraben und mit ihm die XX Kapellmusiker in tiefes Dunkel gehüllt waren, ein einzelner Deckenscheinwerfer sendete – Schutz oder Erleuchtung – einen hellen Schein auf das Dirigentenpult. Also, Willkommen im Zeitalter der Elektromobilität!  

 

Das Ganze wurde in einem Videoclip festgehalten, den Sie sich per Mausklick oben in der Bühne anschauen können.

 

e-Golf: Stromverbrauch in kWh/100km: 12,7 (kombiniert); CO2-Emissionen (kombiniert) in g/km: 0, Effizienzklasse: A+

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