Die Architektur. Automobilbau neu interpretiert.
Die gläserne Fassade der Manufaktur ist Sinnbild für Transparenz und Authentizität.
“Glas ist hier nicht nur ein Material, sondern eine Metapher.”, so Oliver Elsner in DAM Jahrbuch 2002. Simona Malpezzi spricht in Arkitekton, Heft 5, 06/2002 sogar von einem „Cristal Dream.“ Trotz großzügiger Abmaße erinnert nichts an die kompakte Wuchtigkeit traditioneller Industriegebäude. Leicht, fast filigran wirkt das Ensemble, die Glasfassaden hängen scheinbar schwerelos an Stahlseilen
Die konsequente Umsetzung des Prinzips der Transparenz setzt sich im Inneren der Gläsernen Manufaktur fort. Fertigungs- und Erlebnisbereich gehen scheinbar fließend ineinander über, auch hier sind alle Wände aus Glas. Die lichtdurchfluteten Räume sind mit Parkett ausgelegt, alles ist hell, freundlich und transparent. Der Fertigungsprozess ist so mühelos einsehbar und gibt ihm gleichzeitig den Charakter einer Inszenierung. Automobilbau ist so nicht mehr nur ein Arbeitsprozess. Durch die öffentliche Zurschaustellung gewinnt er eine völlig neue Ästhetik und wird gleichzeitig zum unmittelbaren Erlebnis für Kunden und Besucher. In einer gläsernen Manufaktur wird Automobilbau neu interpretiert – er wird zur Faszination.
“Ein Gebäude, das das Autobauen als Manufaktur feiern soll, bedarf einer ganz besonderen konstruktiven Sorgfalt. Es gibt daher kein artifizielles High-Tech, die Architektur bleibt bewusst hinter der Eleganz des Autos zurück, blendet mit weniger Glanz, weniger kapriziösen Details“, schreibt Wolfgang Bachmann in Baumeister 05/2002. So stehen die klaren, linearen Formen des L-förmig angelegten Fertigungsbereiches den runden, organischen Formen des Besucherbereiches entgegen. Die Architektur der Gläsernen Manufaktur von Prof. Gunter Henn ist die symbolische Umsetzung der automobilen Werte der Marke Volkswagen – die Form verleiht der Funktion Ausdruck.
Artikel drucken ›

